Ich bin Leben
Nach Angaben des Italienischen Gletscher-Komitees haben wir Alpengletscher zwischen 1850 und heute mehr als 60% unserer Fläche verloren. Die Marmolada hat dies 2022 auf tragische Weise bewiesen, als ein gigantischer Sérak einstürzte und Menschenleben forderte. Es gibt auch andere, weniger offensichtliche Anzeichen: Straßen und Wege, die verschwinden, Berghütten, die neu errichtet werden müssen, Bergdörfer, die sich neu erfinden müssen, um zu überleben, und eine immer unsicherere Wasserversorgung.
Wo sich das Eis zurückzieht, besiedeln Moose, Flechten und Pionierpflanzen die freigelegten Flächen, gefolgt von Sträuchern und kleinen Bäumen. Viele auf kalte Standorte spezialisierte Arten haben keine Zeit, sich anzupassen, laufen Gefahr, ihren Platz nicht mehr zu finden und werden immer weiter nach oben getrieben, bis sie verschwinden.
Das Internationale Jahr der Erhaltung der Gletscher soll eine Mahnung sein, eine Gelegenheit zum Nachdenken und zum Handeln. Die Forschung ist unerlässlich, um die stattfindenden Veränderungen zu begreifen und ihre Folgen vorherzusehen. Die Wissenschaft, die sich mit mir und den anderen Eisbildungen auf der Erde befasst - Eiskappen, Schnee, Meereis und Permafrost - wird als Kryosphärenwissenschaft bezeichnet und umfasst mehrere Disziplinen: Geologie, Klimatologie, Hydrologie, Ingenieur- und Sozialwissenschaften.
Sie ist ein leistungsfähiges Instrument, um Anpassungsmaßnahmen gezielt und nachhaltig zu steuern: Das Verständnis der Entwicklung von Gletschern und Permafrost ermöglicht die Entwicklung immer genauerer Prognosemodelle.
Jetzt möchte ich, dass ihr euch in meinem schimmernden Eis spiegelt und meinem Schweigen lauscht. Nur eines möchte ich noch sagen: „kümmert euch um mich".