Die Route sehen
Die Welt des Kletterns besteht aus Hakensetzern und Klettersteiggehern. Die meisten Hakensetzer sind auch gute Klettersteiggeher, aber das Gegenteil ist nicht der Fall. Beim Hakensetzer verläuft das Legen der Sicherungen parallel zum Klettern. Eine anstrengende Arbeit und auch eine Form von Selbstlosigkeit und Demut. Denn wenn ein Hakensetzer eine Route vom Boden oder von der Wand aus erahnt, arbeitet er für die Gemeinschaft, auch wenn er weiß, dass er sie nie wird gehen können. Er setzt Haken, damit sich jemand anderes sie bezwingen kann. Das Hakensetzen ist eine Kunstform. Und wenn der Hakensetzer einer Route, die er gerade eingerichtet hat, eine Kategorie zuweist, braucht er einen Kletterer, der dies bestätigt, indem er die Route einfach ausführt. Tatsächlich gibt es keine offizielle Zertifizierung der Schwierigkeitsgrade. Es ist die Gemeinschaft, die den Grad festlegt. Und je schwieriger die Route ist, desto weniger Kletterer können sie bewältigen und so die Anstrengung teilen.
Das Leben erklettern
Den Felsen erlebt man in Begleitung. „Mit einem unerfahrenen Begleiter oder einem, der noch nie geklettert ist, ist mein Lieblingsplatz der Belvedere in Nago. Dort gibt es von allem ein bisschen, sehr einfache Wände mit Blick auf den Lago, die den ganzen Charme des Kletterns am Gardasee vermitteln. Für erfahrene Kletterer sind der Klettergarten Falesia di Padaro oder der Falesia del Bus de la Stria meine Lieblingsplätze.
Klettern ist ein Übungsfeld für das Leben. „Ich gehe an alles heran, als wäre es eine Kletterroute. Ich habe gelernt, mir Ziele zu setzen, Stück für Stück zu arbeiten und die Dinge zu bewältigen, auch wenn sie zunächst unüberwindbar erscheinen. Man muss sich einfach Zwischenziele setzen, klein anfangen und dann kann man nach und nach das Ziel sehen.“